Der jährliche gemeinsame Kongress von  BMWi und VIU  im Konferenzzentrum des BMWi stand dieses Jahr unter dem Thema „Effektive Projektförderung stärkt Mittelstand und Transfer“.

 

Blick ins Auditorium

Blick ins Auditorium

 

Der Vorstandsvorsitzende des VIU, Dr.-Ing. Ralf-Uwe Bauer, eröffnete den Kongress und begrüßte die zahlreichen Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden, insbesondere den Parlamentarischen Staatssekretär im BMWi, Christian Hirte, der anschließend das Wort ergriff.

 

Staatssekretär Hirte betonte die Rolle des Mittelstands als Innovationsmotor. Rund 1.500 Mittelständler nähmen in ihrem jeweiligen Segment führende Positionen weltweit ein. Als künftige Herausforderungen des Mittelstandes nannte er u.a. die Digitalisierung, die Erschließung neuer Märkte im Ausland sowie den Fachkräftemangel.

 

Parlamentarischer Staatssekretr Christian Hirte bei seinem Vortrag


Zur Innovationspolitik der Bundesregierung verwies Hirte auf die Transferinitiative und die  jüngst vom Bundestag verabschiedete steuerliche Forschungsförderung. Elemente der Transferinitiative bildeten u.a. die BMWi-Initiative  „Von der Idee zum Markterfolg“, das  Programm „Förderung nichttechnischer Innovationen“, eine Dialogreihe sowie bis zum Ende der Wahlperiode eine „Roadshow“. Weitere Ideen und Vorschläge sind gefragt.


Mit Blick auf die Zukunft des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) gab der Staatssekretär das Ziel aus, die Ressortabstimmung zur neuen Richtlinie im Januar 2020 abzuschließen. Mit der neuen Richtlinie solle eine weitere Stärkung von FuE in KMU erreicht werden. Das Programm ziele auf stärkere Breitenwirkung, um noch mehr Firmen als bisher zu erreichen. Kleine Unternehmen und Erstantragsteller seien besonders zu berücksichtigen und strukturschwache Regionen sollen weiter gestärkt werden.

 

Dr.-Ing. Ralf-Uwe Bauer legte anschließend in seinem Vortrag dar, warum sich der VIU so stark um die Projektförderung bemüht. Ausgehend von der deutlichen Zunahme der Dynamik des Innovationsprozesses  müssten neue Wege auch von der Politik gegangen werden, um den jahrelangen Trend der sinkenden Innovatorenquote im Mittelstand umzukehren. Die steuerliche Forschungsförderung könne dabei nur ein Element sein.

 

Dr. Bauer nannte eine Reihe von Erfolgsfaktoren für eine optimale Gestaltung des Innnovationsprozesses in einem Unternehmen, an erster Stelle eine klar definierte und kommunizierte Innovationsstrategie. Er wies darauf hin, dass 72% der KMU durch interne oder externe Hemmnisse in der Entfaltung ihrer Innovationsaktivitäten behindert seien. Entscheidendes Innovationshemmnis sei der Mangel an Finanzierungsquellen, gefolgt von bürokratischen Hemmnissen und Mangel an Fachpersonal. Nur 10-15% der KMU betreiben kontinuierlich FuE. Das heißt, es müssen für noch mehr Unternehmen Anreize geschaffen werden, kontinuierlich FuE zu betreiben und damit systematisch Innovationen zu realisieren. Zugleich dürften die Unternehmen, die bereits auf hohem Niveau FuE betreiben, nicht behindert werden, wie es durch die Begrenzung der Anzahl der Projekte im Instrument der einzelbetriebliche Förderung bei ZIM geschieht. Der VIU erwarte, dass mit der neuen Richtlinie, die leider noch nicht vorliegt, hier ein besserer Weg beschritten wird.

 

Dr. Bauer wies darauf hin, dass es in der Förderdatenbank des Bundes mehr als 160 Förderprogramme gebe (145 Bund, 19 EU). Für die kontinuierliche FuE in Unternehmen seien jedoch nur die Programme IGF, ZIM, INNO-KOM und KMU-innovativ wirklich von Bedeutung. Als fünftes könne die steuerliche Forschungsförderung dazugezählt werden. Der VIU fordere dazu auf, gemeinsam diese fünf Instrumente zu verbessern, ihre Verzahnung untereinander zu verstärken und zu verhindern, dass wichtige Akteure in Deutschland von diesen wertvollen Instrumenten ausgeschlossen würden.

 

In der anschließenden Gesprächsrunde „Projektförderung aus Sicht der Projektträger“ diskutierten Markus Neztel, EuroNorm GmbH, Dr. Klaus-Rüdiger Sprung, AiF Projekt GmbH und Dr. Kerstin Röhrich, VDI/VDE/IT GmbH unter der Moderation von Alexander Knebel, Zuse-Gemeinschaft.

Als eine Herausforderung bei Projektanträgen ist gerade auch bei kleineren Unternehmen das Aufbringen des erforderlichen Eigenanteils bei der Projektfinanzierung zu sehen, wie in der Podiumsdiskussion klar wurde. Die Diskutanten warben für Vertrauen von Unternehmen und Instituten, die Anträge einreichen, so mit Blick auf die Verpflichtungen der Projektträger zur Geheimniswahrung. Denn die Projektziele und der zu erreichende Innovationsgrad müssten schon hinreichend deutlich werden, so hieß es.

 

Vor dem Hintergrund der Zielsetzung, mit ZIM deutlich mehr Unternehmen anzusprechen konnte Dr. Röhrich auf einen schon unter den bisherigen Programmvorgaben erreichten Anteil von Erstantragstellern im ZIM von 47 Prozent verweisen. Dr. Sprung machte auf die auch in Zeiten einer sich abzeichnenden konjunkturellen Eintrübung starke Nachfrage nach dem ZIM-Programm mit deutlich gestiegenen Antragszahlen aufmerksam. Markus Netzel betonte die Bedeutung der Nutzerfreundlichkeit bei Projektbeantragungen.

Beispiele aus der Praxis

 

Welche Erfolge mit derart im Rahmen des ZIM und anderen BMWi-Programmen geförderten Innovationen erzielt werden können, machten im Anschluss Vertreter von Unternehmen und Forschungsinstituten des VIU bei der Präsentation konkreter Projekte deutlich:

 

-    Vom Flachschliff zum Wellenschliff – Neuentwicklung von Hochleistungsmessern für die industrielle Dickenbearbeitung von Leder (Dr. 

      Michael Meyer, FILK gGmbH und Philipp Küchler, Heusch GmbH & Co. KG)
-    Über Verbundprojekte als KMU verwertbares Know-how generieren (Mark Bludszuweit, MET GmbH)
-    Automatisierte Glasscheibenmontage für sehr kleine Losgrößen (Dr. Sebastian Ortmann, ICM e.V. Chemnitz)
-    ZIM- und HORIZON-Projekte: Innovationen und Marktdurchdringung für den Mittelstand  (Carsten Koppe und Jan Koppe, MOL

      Katalysatortechnik GmbH)
-    Wege des Wissenstransfers am Beispiel der SLV Halle (Prof. Dr. Steffen Keitel, SLV Halle)
-    Alarmgrid – das smarte Insektenschutzgitter (Elke Thiele, STFI e.V. Chemnitz)
-    Bedeutung der Go-Inno-Förderung für Unternehmen kleiner 100 Mitarbeiter (Gabriele Seitz, EurA AG)

(Diese Beiträge können in der Geschäftsstelle des VIU unter viu@viunet.de angefordert werden.)

 

Im Anschluss an den Kongress hatten die Teilnehmer bei einem Mittagsimbiss die Gelegenheit zu interessanten Gesprächen und Vernetzung.


Auf der anschließenden Mitgliederversammlung des Verbandes Innovativer Unternehmen wurden die vor dem Verband stehenden Aufgaben diskutiert und ein neuer Vorstand gewählt. Ihm gehören Dr.-Ing. Ralf-Uwe Bauer (TITK e.V), Hans-Joachim Münch (SONOTEC GmbH), Dr. Bernd Grünler (INNOVENT e.V.), Bernd Rhiemeier (AUCOTEAM GmbH), Gabriele Seitz (EurA AG), Dr. Michael Hahn (ECH GmbH) und Dr.-Ing. Sebastian Ortmann (ICM e.V.) an.

 

Impressionen vom Verbandstag finden Sie hier.

 

 

Weitere Informationen:
Verband Innovativer Unternehmen e.V.
Invalidenstr. 34
10115 Berlin
Tel. 030 44055020
viu@viunet.de
www.viunet.de