Veröffentliche am 21. Juli 2020: Blaulicht im Wellenlängenbereich von 400 nm bis 450 nm kann bakterielle Erreger wirkungsvoll abtöten. Dies funktioniert über Absorption des Lichtes durch Biomolekülen, so genannte Porphyrine, die in lebenden Zellen allgegenwärtig sind. Bei Anwesenheit von Sauerstoff bilden die energetisch angeregten Moleküle in einer chemischen Reaktion Sauerstoffradikale, die aufgrund ihrer hohen Reaktivität zu extremen Zellschäden, der Verhinderung der Vermehrung oder unter bestimmten Umständen zur Abtötung der bakteriellen Erreger führen. Für diesen Prozess kommen als Lichtquelle vorteilhaft energieeffiziente und kostengünstige LEDs zum Einsatz. Blaulicht ist darüber hinaus für menschliche Haut, Augen sowie Materialien und Lebensmittel weitgehend unbedenklich. Für UVC-Strahlung, die im Bereich der Keimabtötung seit langem etabliert ist, gilt das nicht. Mit blauem Licht sind daher völlig neue Desinfektionsverfahren möglich.

Neben diesen Vorteilen ist die blaulichtbasierte Keimreduktion auch deshalb von Interesse, da sie ohne Zusatzstoffe arbeitet und somit eine Umweltbelastung durch Desinfektionsmittel vermeidet. In der Lebensmitteltechnik kann so zukünftig die Produkthaltbarkeit verbessert werden, ohne die Qualität zu beeinflussen oder unerwünschte Konservierungsstoffe zu verwenden. Blaues Licht ist zudem in der Medizintechnik eine potente Behandlungsoption bei antibiotikaresistenten Keimen. Das Anwendungspotenzial von blauen LEDs ist also längst noch nicht ausgeschöpft und Blaulicht hat eine glänzende Zukunft.

 

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Laboraufbau zur Entwicklung eines Hygienesiphons mit Blaulichtreinigung

 

Die Gesellschaft zur Förderung von Medizin-, Bio- und Umwelttechnologien (GMBU) e.V. engagiert sich gemeinsam mit Industriepartnern seit mehreren Jahren in der Entwicklung von Technologien zur Blaulichtdesinfektion sowie von Produkten hieraus. Beispiele sind ein Hygienesiphon, ein Handlaufsystem mit aktiver Desinfektion, ein neuartiges Handdesinfektionsverfahren und der Einsatz von blauen Licht im Bereich der Lebensmitteltechnologie.

Mit finanzieller Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des zentralen Innovationsprogrammes für den Mittelstand (ZIM) wurden bisher vier F&E-Vorhaben ermöglicht und erste Produkte stehen vor der Markteiführung.

 

Weitere Informationen:
GMBU e.V. Jena

Dr. Sabine Nieland

Felsbachstraße 7, 07745 Jena
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