Rückblick VIU-Netzwerkabend 2026: Impulse für eine starke Innovationspolitik und verlässliche Forschungsförderung
Aktualisiert: vor 10 Stunden

Wie können Forschungsergebnisse schneller in marktfähige Innovationen überführt werden? Welche Förderinstrumente braucht der innovative Mittelstand, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen? Und welche Chancen bietet die europäische Forschungsförderung? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Netzwerkabends des Verbands Innovativer Unternehmen e. V. (VIU) am 24. September 2026 im VKU-Forum Berlin. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Ministerien, Wirtschaft und Forschung kamen zusammen, um über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Innovationsförderung in Deutschland und Europa zu diskutieren.
Innovationskraft braucht verlässliche Rahmenbedingungen
Zum Auftakt begrüßte Dr. Uwe Möhring (Vorstandsvorsitzender VIU) die Gäste und unterstrich die zentrale Bedeutung des innovativen Mittelstands für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sowie industrienahe Forschungseinrichtungen leisten einen entscheidenden Beitrag dazu, neue Technologien in wirtschaftliche Anwendungen zu überführen.
Dabei machte Dr. Möhring deutlich, dass ambitionierte innovationspolitische Ziele auch eine entsprechende Förderpraxis erfordern. Insbesondere der seit Juli 2026 bestehende Antragsstopp beim Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) stelle Unternehmen und Forschungseinrichtungen vor erhebliche Herausforderungen.
Der VIU setzt sich deshalb für eine langfristig verlässliche Finanzierung bewährter Förderprogramme, schlankere Antragsverfahren und ein ausgewogenes Zusammenspiel von steuerlicher Forschungsförderung und Projektförderung ein. Ziel müsse es sein, zusätzliche Forschung und Entwicklung anzustoßen und Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen.

Innovationspolitik zwischen strategischem Anspruch und praktischer Umsetzung
Dr. Janina Jänsch (Abteilungsleiterin Mittelstand, Zukunftstechnologien und Start-ups im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie - BMWE) beleuchtete die aktuellen innovationspolitischen Herausforderungen aus Sicht der Bundesregierung.
Angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbs, steigender Kosten und struktureller Herausforderungen sei Innovation ein entscheidender Treiber für Wachstum und Zukunftsfähigkeit. Deutschland verfüge über eine hervorragende Forschungslandschaft. Entscheidend sei jedoch, wissenschaftliche Erkenntnisse noch konsequenter in marktfähige Produkte und wirtschaftliche Wertschöpfung zu übersetzen.
Ein Schwerpunkt ihres Beitrags war die Zukunft des ZIM. Frau Dr. Jänsch erläuterte die Hintergründe des vorübergehenden Antragsstopps und betonte, dass das BMWE intensiv an einer möglichst zeitnahen Wiederöffnung arbeite. Angestrebt werde eine Wiederaufnahme der Antragstellung Anfang 2027. Zugleich sollen Förderverfahren effizienter und bürokratieärmer gestaltet werden.
Weitere Schwerpunkte waren die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF), INNO-KOM, die Förderung technologieorientierter Gründungen durch EXIST sowie die Chancen einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten mittelständischen Unternehmen. Auch die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen bei Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Datensicherheit spielte eine wichtige Rolle.

Welche Förderprogramme bringen Unternehmen wirklich weiter?
Gabriele Seitz (Vorstandsvorsitzende der EurA AG und VIU-Mitglied) richtete den Blick auf die praktische Wirksamkeit der Forschungs- und Innovationsförderung.
Vor dem Hintergrund des globalen Innovationswettbewerbs betonte sie, wie wichtig attraktive und verlässliche Förderbedingungen für deutsche Unternehmen sind. Erfolgreiche Förderprogramme müssten insbesondere Planungssicherheit bieten, Kooperationen ermöglichen und schnelle Entscheidungen gewährleisten. Lange Bearbeitungszeiten, aufwendige Antragsverfahren und kurzfristige Programmstopps könnten dagegen Innovationsprozesse erheblich ausbremsen.
Das ZIM bezeichnete Frau Seitz als „Goldstandard“ der mittelständischen Innovationsförderung. Besonders wertvoll sei die Möglichkeit, Unternehmen und Forschungseinrichtungen in gemeinsamen Entwicklungsprojekten zusammenzubringen. Auch die Forschungszulage, die Energieforschungsförderung und regionale Förderinstrumente seien wichtige Bausteine einer leistungsfähigen Förderlandschaft.
Ihr Appell: "Bewährte Instrumente sollten gestärkt und kontinuierlich weiterentwickelt werden, statt durch häufig wechselnde Programme zusätzliche Unsicherheit zu schaffen."

Europa als Innovationspartner: Chancen über nationale Grenzen hinaus
Die europäische Perspektive brachte Anika Werk (DLR Projektträger - Bereich Europäische und internationale Zusammenarbeit) in die Veranstaltung ein.
Sie stellte die vielfältigen Möglichkeiten des europäischen Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europe vor. Mit einem Budget von rund 95 Milliarden Euro für den Zeitraum 2021 bis 2027 bietet es umfangreiche Unterstützung für grenzüberschreitende Forschungskooperationen und technologische Entwicklungen.
Frau Werk verdeutlichte, dass europäische Förderung insbesondere dann interessant ist, wenn Innovationsvorhaben internationale Partner, spezielle Technologien, Forschungsinfrastrukturen oder eine gemeinsame europäische Herangehensweise erfordern.
Neben der klassischen Verbundforschung stellte sie die Fördermöglichkeiten des Europäischen Innovationsrats (EIC) vor, die unterschiedliche Phasen der technologischen Entwicklung bis hin zur Markteinführung unterstützen.
Deutlich wurde: Europäische Förderprogramme sind nicht für jedes Vorhaben die passende Lösung. Sie können jedoch neue Netzwerke erschließen, internationale Kooperationen ermöglichen und zusätzliche Entwicklungsperspektiven für innovative Unternehmen eröffnen.
Aus der Praxis: Wie Forschungsförderung Innovationserfolge ermöglicht
Wie wichtig diese Förderinstrumente für die Entwicklung mittelständischer Technologieunternehmen tatsächlich sind, zeigte Hans Joachim Münch (Geschäftsführer der SONOTEC GmbH und VIU-Mitglied) anhand konkreter Praxisbeispiele.
Er berichtete über erfolgreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die mithilfe von Landes-, Bundes- und EU-Förderprogrammen realisiert wurden. Dazu zählen unter anderem Ultraschalltechnologien für industrielle Anwendungen, die heute international eingesetzt werden.
Besonders hob Herr Münch die Bedeutung des ZIM und der Forschungskooperationen hervor. Sie hätten seinem Unternehmen ermöglicht, externes Know-how gezielt einzubinden, Entwicklungsrisiken zu reduzieren und neue Produkte schneller zur Marktreife zu führen.
Zugleich verwies er auf den über die Jahre deutlich gestiegenen bürokratischen Aufwand und die zunehmenden Bearbeitungszeiten bei Förderanträgen. Sein Praxisbericht machte anschaulich, welchen Beitrag eine kontinuierliche und anwendungsorientierte Forschungsförderung zur Entwicklung international erfolgreicher mittelständischer Unternehmen leisten kann.

Innovationen zum Anfassen: VIU-Mitglieder präsentieren Forschungsergebnisse
Neben den Fachvorträgen bot der Netzwerkabend auch Gelegenheit, konkrete Ergebnisse industrienaher Forschung und Entwicklung kennenzulernen.
Mit der ECH Elektrochemie Halle, der GMBU Halle, der CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik GmbH sowie der GFE – Gesellschaft für Fertigungstechnik und Entwicklung Schmalkalden e. V. präsentierten vier VIU-Mitglieder ausgewählte Entwicklungen und Einblicke in ihre Forschungsarbeit.
Die Ausstellung verdeutlichte die technologische Vielfalt und Leistungsfähigkeit der industrienahen Forschung und bot zahlreiche Anknüpfungspunkte für persönliche Gespräche.

Dialog als Schlüssel für einen starken Innovationsstandort
Beim anschließenden Buffet nutzten die Gäste die Gelegenheit, die angesprochenen Themen zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
Der Netzwerkabend machte deutlich, dass eine erfolgreiche Innovationspolitik das Zusammenwirken aller Beteiligten erfordert: Die Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, Forschungseinrichtungen technologisches Wissen bereitstellen und Unternehmen neue Lösungen in wirtschaftliche Anwendungen überführen.
Ein zentrales Fazit des Abends: Deutschland braucht eine Innovationsförderung, die nicht nur ambitionierte Ziele formuliert, sondern Unternehmen und Forschungseinrichtungen auch langfristige Planungssicherheit, praktikable Verfahren und ausreichend Raum für Kooperationen bietet.
Der VIU wird sich weiterhin dafür einsetzen, die Perspektiven des innovativen Mittelstands in die politische Diskussion einzubringen und den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Forschung aktiv zu gestalten.
Der Verband Innovativer Unternehmen e. V. bedankt sich herzlich bei allen Referierenden, Ausstellern und Gästen für ihre Beiträge, die anregenden Gespräche und den spannenden Austausch.



